Case Study

Brio

Architekt
Dietrich Untertrifaller Architekten ZT GmbH & PLOV Architekten ZT GmbH
Bauherr
Österreichisches Siedlungswerk Gemeinnützige Wohnungsaktiengesellschaft
Verarbeiter
Rubner Holzbau GmbH, Rennersdorf 62, 3200 Ober-Grafendorf
Ort

Karl-Merkatz-Gasse 12 / Landgutgasse 38 und 40 Wien 1100 Österreich

Pulsierendes Holz-Herz mitten in Wien

Drei Baukörper, zwei Architekturbüros, ein Projekt: Das Projekt B.R.I.O. in Wien Favoriten zählt zu den Meilensteinen des jüngsten Stadterweiterungsgebietes nahe des Wiener Hauptbahnhofs, eine gelungene Kombination aus Wohnraum und Freifläche im dicht verbauten, urbanen Gebiet. 

Im Auftrag des Österreichischen Siedlungswerks wurden insgesamt 176 geförderte Wohnungen als differenzierter Mix aus Smart-Wohnungen, Familienwohnungen und Einheiten mit WG-tauglichen Grundrissen nach Plänen von Dietrich Untertrifaller Architekten und PLOV Architekten errichtet, wobei auch ein Schwerpunkt auf die Bedürfnisse von Alleinerziehenden gelegt wurde. Ausgeführt als Gebäudeensemble in Holz-Hybridbauweise, entspricht das Projekt nicht nur sämtlichen Standards eines zukunftsfähigen Wohnkonzepts, sondern leistet insbesondere einen wertvollen Beitrag im Sinne wirtschaftlicher Vorgaben und nachhaltiger Grundsätze. Es ist das erste und bisher einzige Wohngebäude in Österreich, das in Holz-Hybridbauweise mit einer Bauhöhe von 35 Metern realisiert wurde und mit seiner Architektur sowie seinem Energiekonzept einen hohen ökologischen und sozial-nachhaltigen Benefit für Bewohner*innen und das Quartier insgesamt bietet.

Von Beginn an in partnerschaftlicher Arbeitsweise zwischen Bauträger, Architektur- und Ingenieurbüros sowie ausführenden Unternehmen umgesetzt, wurde das Projekt systematisch geplant: Alle wesentlichen Systemkomponenten wurden elementiert und vorgefertigt. Die hybride Bauweise spiegelt sich einerseits in den vertikalen Tragelementen aus Holz wie den rund 1.700 systematisch gleichen Stützen und den rund 1.000 vorgefertigten Außenwandelementen wider, andererseits in den horizontalen Betonbauteilen wie die bauteilaktivierten Vollfertigteildecken aus Stahlbeton und den rund 1.400 vorgefertigten Deckenelementen. Durch den engen Stützenraster konnten die Spannweiten reduziert, die Deckenelemente mit nur 16 cm besonders schlank ausgeführt und der Einsatz von Beton minimiert werden. Der hohe Holzanteil, die vorgefertigten Fassadenelemente und die intelligente Integration der Gebäudetechnik machen B.R.I.O. zu einem beispielhaften Modell für eine neue Generation des urbanen Holzbaus. 

Raster ohne Monotonie

„Die größte Herausforderung bestand darin, hohe architektonische Qualität, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit konsequent miteinander zu verbinden. Der systemische Ansatz erforderte von Beginn an eine sehr präzise Abstimmung aller Beteiligten, da die hohe Vorfertigung und die Serialität nur mit exakt koordinierten Prozessen funktionieren“, sagt Architekt Michael Porath von Dietrich Untertrifaller Architekten. „Gleichzeitig musste nachgewiesen werden, dass ein streng durchgearbeitetes Raster nicht zu starren oder monotonen Wohnformen führt, sondern langfristige Flexibilität ermöglicht. Gerade vor dem Hintergrund steigender Bau- und Materialkosten galt es, innovative Lösungen nicht nur nachhaltig, sondern auch wirtschaftlich und umsetzbar zu gestalten.“ Architekt Christoph Leitner von PLOV hebt besonders die hohen Anforderungen an den Brandschutz und die damit verbundenen behördlichen Abstimmungs- und Genehmigungsprozesse hervor. Auch der Schallschutz stellte sich vor allem aufgrund der Lage des Objekts direkt entlang der Bahntrasse als besonders herausfordernd dar. 

Von 2D in 3D 

Die beiden unteren Sockelgeschosse in Massivbauweise ausgeführt, verteilen sich die aus Holzbauelementen errichteten Wohngeschosse auf Basis eines optimierten Stützenrasters über die dafür vorgesehenen Flächen auf dem komplex zugeschnittenen Grundstück. Neben der abwechslungsreichen Kubatur prägen die gestaffelten Außenwände mit Holzfassade in horizontaler Lattung das Erscheinungsbild maßgeblich mit.

Sämtliche Holzbauelemente vorgefertigt, angeliefert und vor Ort montiert hat das Unternehmen Rubner Holzbau aus Ober-Grafendorf unter der Leitung von Prokurist Jürgen Endler. „Aufgrund der komplexen Geometrie haben wir statt 2D- 3D-Holzrahmenelemente gebaut, was sich mit weniger Kranhüben und weniger örtlichen Bauteilfügungen auch für die Logistik und für den Zeitplan als sehr vorteilhaft erwies. Bei den Außenwänden wurden etwa 900 tragende BSH-Stützen mit Gewindestangen werkseitig verbaut - in Summe ungefähr 4.000 Stück Ankerpunkte -, die exakt in die Füllrohre in den Betonfertigteildecken einzupassen waren. Im Innenbereich waren es an die 800 tragende Brettschichtstützen mit jeweils acht Gewindestangen“, erzählt der Holzbau-Experte. „Ein wesentlicher Fokus lag deshalb schon während der Planung und bei der Montagevorbereitung auf diesen relevanten Schnittstellen.“ Im Werk wurden deshalb Elemente in L- oder U-Form als komplette Holzfassade mit eingebauten Fenstern und Sonnenschutz vorgefertigt. 

Wesentlicher Teil der hinterlüfteten Wandelemente mit Thermokiefer-Fassade ist die RIGIPS Riduro Holzbauplatte, die an der Außenseite einlagig für den 60-minütigen, an der Innenseite doppelt für den 90-minütigen Brandschutz angebracht wurde. Außerdem wurde die Riduro auch zur Erfüllung des Kapselkriteriums als Schutz gegen einen unkontrollierten Einbrand in die Konstruktion eingesetzt: Sämtliche Durchführungen und Fensteröffnungen wurden jeweils zweilagig mit Riduro gekapselt.

Baustellentafel:

OBJEKT: B.R.I.O – Wohnhausanlage, Karl-Merkatz-Gasse 12 / Landgutgasse 38 und 40, 1100 Wien

ARCHITEKTUR: Dietrich Untertrifaller Architekten ZT GmbH, Flachgasse 35-37, 1150 Wien, & PLOV Architekten ZT GmbH, Landgutgasse 38/1/1C, 1100 Wien

HOLZBAU: Österreichisches Siedlungswerk Gemeinnützige Wohnungsaktiengesellschaft , Feldgasse 8-10, 1080 Wien, www.oesw.at

PRODUKTE:

FACHBERATUNG: Bernhard Anderle, Saint Gobain

fotocredit: ©ÖSW, Dietrich Untertrifaller Architekten, EmilBlau / Martin Geyer